Aus dem Gemeinderat

Haushaltsrede 2026

Sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter, sehr geehr­te Gemein­de­rä­tin­nen und ‑räte, sehr geehr­te Mit­bür­ge­rin­nen und Mitbürger!

1. Der Haus­halt 2026 zeigt deut­lich, dass die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Gemein­de sehr schwie­rig ist und auch mit­tel­fris­tig her­aus­for­dernd blei­ben wird. Es stand die Gefahr im Raum, dass die Rechts­auf­sicht unser Zah­len­werk nicht geneh­mi­gen könnte.

Daher haben die Haus­halts­be­ra­tun­gen die­ses Mal sehr lan­ge gedau­ert. Gemein­sam mit der Ver­wal­tung haben wir als Rat hart dar­an gear­bei­tet, alle Auf­ga­ben zu über­prü­fen und die Aus­ga­ben zu redu­zie­ren. Da dies allein nicht aus­rei­chend war, sind Erhö­hun­gen der Steu­ern und Abga­ben lei­der notwendig.

Nie­mand freut sich über höhe­re Steu­ern oder über die – maß­vol­le – Ein­schrän­kung kom­mu­na­ler Leis­tun­gen. Uns war es wich­tig, hier stets die Bedürf­nis­se der Men­schen in Gun­del­fin­gen im Blick zu behal­ten. Das ist unse­rer Ein­schät­zung nach gelungen.

Des­we­gen tra­gen wir als grü­ne Frak­ti­on die­sen Haus­halt mit. 

Bei die­ser Gele­gen­heit möch­ten wir dar­auf hin­wei­sen, dass es nun die lang gewünsch­ten öffent­li­chen Sit­zun­gen zu den Haus­halts­be­ra­tun­gen gibt. Auch wenn es viel­leicht eine Wei­le dau­ern wird, bis sich das her­um­ge­spro­chen hat, gehen wir von einem gro­ßen Inter­es­se der Bevöl­ke­rung aus und begrü­ßen die­se neue Möglichkeit.

Zu den gro­ßen Vor­ha­ben im Haus­halt noch eini­ge Anmerkungen:

2. Im Jahr 2021 hat der Gemein­de­rat den Neu­bau der Johann-Peter-Hebel-Grund­schu­le beschlos­sen. Das Mün­che­ner Lern­haus­kon­zept und der sehr schö­ne Archi­tek­ten­ent­wurf weck­ten hohe Erwar­tun­gen. Dar­über wur­de inten­siv diskutiert. 

Erst jetzt wer­den die hohen Kos­ten und die begrenz­te finan­zi­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit der Gemein­de sicht­bar. Zu spät, um über Alter­na­ti­ven zu sprechen. 

Damit ste­hen wir in poli­ti­schen und öko­no­misch unsi­che­ren Zei­ten vor der gro­ßen Her­aus­for­de­rung, die­se hohe Inves­ti­ti­on zu schul­tern. Zins, Til­gung und Abschrei­bun­gen wer­den die kom­mu­na­len Haus­hal­te in den kom­men­den Jahr­zehn­ten belas­ten, dies gilt ins­be­son­de­re für den not­wen­di­gen Inte­rims­baus und die Haus­hal­te 2026 bis 2029.

Dar­aus folgt die drin­gen­de Not­wen­dig­keit, in den kom­men­den Jah­ren an ande­rer Stel­le ein­zu­spa­ren. Wir als Rat müs­sen zeit­nah dar­über ent­schei­den, wel­che Gebäu­de die Gemein­de für ihre Pflicht­auf­ga­ben tat­säch­lich benö­tigt, und wel­che ver­kauft wer­den sollten.

3. Selbst­kri­tisch soll­ten Bür­ger­meis­ter und Gemein­de­rat dar­über nach­den­ken, ob wir uns in den letz­ten Jah­ren nicht zu vie­le ambi­tio­nier­te Pro­jek­te vor­ge­nom­men und der Bür­ger­schaft in Aus­sicht gestellt haben. 

Dis­ku­tiert wur­de über die Sanie­rung des Schwimm­bads, die neue Grund­schu­le, die Erwei­te­rung des Feu­er­wehr­haus und das Neu­bau­ge­biet Näge­le­see-Nord, sogar von einem neu­en Gewer­be­ge­biet ist die Rede. 

Wir Grü­nen haben wie­der­holt die Fra­ge gestellt, was sich die Gemein­de finan­zi­ell wie orga­ni­sa­to­risch tat­säch­lich leis­ten kann.

.Jedes die­ser The­men ist kom­plex. Zur Umset­zung braucht es nicht nur Geld, son­dern auch die Kapa­zi­tät im Bau­amt. Wie wir vor eini­gen Jah­ren leid­voll fest­stel­len muss­ten, sind die­se Auf­ga­ben nur mit einem voll­stän­dig besetz­ten und gut geführ­ten Bau­amt zu leisten. 

Unser Dank geht an die­ser Stel­le an Frau Fuisz und ihr kom­pe­ten­tes Team!

4. Beson­ders her­aus­for­dernd emp­fan­den wir die Bera­tun­gen über den Stel­len­plan, denn ca. 30% des kom­mu­na­len Haus­halts betref­fen die Per­so­nal­aus­ga­ben. Eine gut funk­tio­nie­ren­de Ver­wal­tung ist auf kom­pe­ten­te und moti­vier­te Mit­ar­bei­ten­den ange­wie­sen, die ihre Stel­le im bes­ten Fall über Jah­re aus­fül­len und im Team agie­ren. Und genau die­se braucht es in allen Ämtern im Gun­del­fin­ger Rathaus.

Des­we­gen haben wir über den Stel­len­plan beson­ders inten­siv bera­ten. Pau­scha­le Strei­chun­gen oder über­zo­ge­ne Kri­tik an der Ver­wal­tung hel­fen hier nicht.

5. Kin­der, Jugend­li­che, Ver­ei­ne und Sozia­les – das alles gehört zur Fach­be­reichs­lei­tung von Frau Rieg­ger, die wirk­lich her­vor­ra­gen­de Arbeit leis­tet. Wor­auf ihr Schwer­punkt liegt und lag, ist offen­sicht­lich und verständlich.

Auch hier bedan­ken wir uns herzlich!

Den­noch sei die Fra­ge erlaubt: wie sieht es mit der Aus­ge­stal­tung der Daseins­vor­sor­ge der älte­ren Bevöl­ke­rung aus? Die­se soll­te eine hohe Lebens­qua­li­tät und gesell­schaft­li­che Teil­ha­be beför­dern. Die kom­mu­nal­e­Steue­rung unter­lie­gen hier eben­falls der Ver­wal­tung, doch wer über­nimmt die­sen Teil der Pflicht­auf­ga­be Soziales?

Hier sehen wir durch die altern­de Gesell­schaft künf­tig wei­te­re Auf­ga­ben auf die Gemein­de zukom­men. Dar­auf soll­ten wir uns jetzt schon vorbereiten!

6. Die Zukunft der VHS ist ein öffent­lich viel dis­ku­tier­tes The­ma im ver­gan­ge­nen Jahr gewe­sen. Die Volks­hoch­schu­le leis­tet eine wich­ti­ge Rol­le für die sozia­le Teil­ha­be. Das betrifft heu­te v.a. die älte­re Bevölkerung. 

Die Ankün­di­gung, dass der Fort­be­stand mit Hil­fe einer 50% Lei­tungs­stel­le mög­lich ist, hat für gro­ße Erleich­te­rung gesorgt. Wir tra­gen die­se Lösung mit. Wenn dar­über ent­schie­den ist, muss sich die­se Lösung in den nächs­ten Jah­ren bewähren. 

Das heißt auch, dass die vom Volks­hoch­schul­ver­band ange­reg­ten Moder­ni­sie­run­gen und Öff­nung des Pro­gramms umge­setzt wer­den sollten.

Auch wenn eine Koope­ra­ti­on mit Frei­burg aktu­ell nicht zu Stan­de gekom­men ist, hal­ten wir die­se für die Zukunft nicht für aus­ge­schlos­sen. Wir regen an, am The­ma dran­zu­blei­ben, um die lang­fris­ti­ge Zukunft der Volks­hoch­schu­le zu sichern.

7. Im letz­ten Jahr wur­de im Gemein­de­rat nicht nur viel über die Schu­le, son­dern auch über die kli­ma­ge­rech­te Umge­stal­tung des Son­ne-Plat­zes gespro­chen. Ver­schie­de­ne Ent­wür­fe wur­den erstellt und lei­den­schaft­lich dis­ku­tiert, viel Geld in Fach­be­ra­tung und Bür­ger­be­tei­li­gung investiert. 

Herz­li­chen Dank an die­ser Stel­le an Frau Roth­böck und Frau Sach für ihre her­vor­ra­gen­de Arbeit. Lei­der zeich­net sich bis heu­te kei­ne Mehr­heit für die kli­ma­ge­rech­te Auf­wer­tung des Plat­zes und für die ver­bes­ser­te Auf­ent­halts­qua­li­tät in der Orts­mit­te ab. 

Hier wür­de ich mir von eini­gen Kol­le­gen mehr Mut zum offe­nen Visier wün­schen. Wir Grü­nen sind auf weit­rei­chen­de Kom­pro­miss­an­ge­bo­te ein­ge­gan­gen. Wenn es trotz­dem kei­ne Mehr­heit im Rat gibt – dann ist das so. Was nicht geht: von Kli­ma­schutz reden, und dann, wenn es kon­kret wird, einen Rück­zie­her machen! 

Und es ist ja nicht nur der Son­ne-Platz, son­dern auch das Mobi­li­täts­kon­zept oder die Bio­top­ver­bund­pla­nung. Die bes­ten Beschlüs­se hel­fen nichts, wenn Plä­ne und Stra­te­gien danach in der Schub­la­de ver­schwin­den und nicht umge­setzt werden.

Bei allem Ver­ständ­nis für die Situa­ti­on der Ver­wal­tung wün­schen wir uns hier mehr Strin­genz und Tatkraft!

8. Die Auf­wen­dun­gen der Gemein­de für die Feu­er­wehr sind gera­de in Anbe­tracht der sehr schwie­ri­gen Haus­halts­la­ge nicht uner­heb­lich. Stel­len­wei­se gehen wir damit über die Pflicht­auf­ga­ben hin­aus. Vor dem Hin­ter­grund der Pro­fes­sio­na­li­tät der Leis­tung die­ser Wehr unter Kom­man­dant Jens Lapp sind die Kos­ten jedoch mehr als gerechtfertigt. 

Hin­zu kommt die sehr wich­ti­ge sozia­le Funk­ti­on der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Gun­del­fin­gens. Auch die Feu­er­wehr trägt zum sozia­len Zusam­men­halt und zum Mit­ein­an­der in der Gemein­de bei. Ein Aspekt, den wir nicht ver­ges­sen dür­fen, wenn wir gro­ße Anstren­gun­gen unter­neh­men wie etwa das Gerä­te­haus auf einen zeit­ge­mä­ßen Stand zu brin­gen oder teu­re Fahr­zeu­ge anzuschaffen.

9. Zum Schluss dan­ken wir Herrn Binz und Herrn Alt­mann sowie den Mit­ar­bei­ten­den im Rech­nungs­amt, die wie­der ein­mal ganz her­vor­ra­gen­de Arbeit geleis­tet haben, um die­ses Mam­mut­werk auf den Weg zu bringen.

Wir bereits ange­kün­digt: Die Grü­ne Frak­ti­on stimmt dem vor­ge­leg­ten Haus­halt 2026 zu.

Dr. Bea­te Fischer-Wackes / Dr. Mat­thi­as Schmidt-Eule