Bericht zu Themenabend „Mobilität“ am 4. Mai 2018

Zu einem wei­te­ren The­men­abend, dies­mal zu Fra­gen der « Mobi­li­tät heu­te, und mor­gen? « begrüß­te Gemein­de- und Kreis­rä­tin Sil­ke Eis­feld im Namen der Grü­nen Frak­ti­on und des Orts­ver­ban­des Gun­del­fin­gen Bünd­nis 90/ Die Grü­nen die anwe­sen­den Bür­ge­rIn­nen und Gäs­te, dar­un­ter  Bür­ger­meis­ter R. Walz und  die Inklu­si­ons­ber­auf­tra­ge der Kom­mu­ne, Syl­via Föge­le sowie Anke Dall­mann, die kom­mu­na­le Behin­der­ten­be­auf­trag­te im Kreis.
Von Ver­kehrs­be­ru­hi­gung zu alter­na­ti­ven Antriebs­kon­zep­ten, von mög­li­chen Aus­wir­kun­gen der Zäh­rin­ger Nach­ver­dich­tung auf unse­re Gemein­de zu Stra­ßen­bahn- und Bus­kon­zep­ten der Zukunft bis zu The­men, die  Fuß­gän­ger und Rad­fah­re­rIn­nen  in Gun­del­fin­gen betref­fen,  spann sich der Bogen des gut besuch­ten Bür­ger­ge­sprä­ches, mode­riert von Mit­glie­dern der Frak­ti­on und des Vorstandes.

Sil­ke Eis­feld erin­ner­te an das Leit­bild­mot­to unse­rer Gemein­de, wonach der Ver­kehrs­be­ru­hi­gung und flä­chen­de­ckend Tem­po 3o eine hohe Bedeu­tung zukomme.
Ein  Antrag der Grü­nen Frak­ti­on zu Tem­po 30 in der Wald­stra­ße war von den ande­ren Frak­tio­nen im Rat­haus abge­lehnt wor­den, weil bau­li­che Maß­nah­men zur Geschwin­dig­keits­be­gren­zung  nicht gewollt und nicht bezahlt wer­den. Die Grü­nen im Gemein­de­rat wer­den das The­ma wie­der auf­grei­fen und den Antrag auch für die Wild­tal­stra­ße, benach­bart zum Kin­der­gar­ten Regen­bo­gen, und für die Orts­durch­fahrt Wild­tal erneut stel­len. Für die neue Kita im Gewer­be­ge­biet wird Tem­po 30 zumin­dest zu deren Öff­nungs­zei­ten der Tages­stät­te nun kom­men. Was aber sinn­vol­ler wäre: Flä­chen­de­ckend Tem­po 30 im Ort !
Für die Grü­nen begrüß­te Sil­ke Eis­feld die Ein­rich­tung einer Strom­tank­stel­le in der alten Bun­des­stra­ße und for­dern dar­über hin­aus wei­te­re Stand­or­te für Car Sharing-Ange­bo­te, etwa an der jet­zi­gen Wen­de­schlei­fe der Stra­ßen­bahn. Auch reg­te sie an, dass die­ses Kon­zept des Auto­tei­lens um E‑Mobilität erwei­tert wer­de, um den Bür­gern ein bes­se­res Ange­bot zum Ken­nen­ler­nen der nicht fos­si­len Mobi­li­tät zu machen und durch Ein­spa­rung von Co2  dem Kli­ma­wan­del auch in unse­rer Gemein­de bes­ser entgegenzuwirken.
Bür­ger­meis­ter Walz sicher­te eine Prü­fung der Idee zu.

Gemein­de­rä­tin Dr Fischer – Wackes nahm zu den Aus­wir­kun­gen des neu geplan­ten Bau­ge­bie­tes Zäh­rin­gen-Nord Stel­lung : In dem angeb­lich weit­ge­hend Auto frei­en Quar­tier an der Gren­ze zu Gun­del­fin­gen sind bis zu 1400 Wohn­ein­hei­ten geplant. Abge­se­hen von städ­te­bau­li­chen Zumu­tun­gen mit 8 stö­cki­gen Gebäu­den ent­lang der gemein­sa­men Gemar­kungs­gren­ze und der Bebau­ung der Grün­schnei­se auf Frei­bur­ger Gebiet, machen sich  auch die Gun­del­fin­ger Grü­nen  Sor­gen wegen der mög­li­chen erhöh­ten Ver­kehrs­be­las­tung des flie­ßen­den und ruhen­den Ver­kehrs und wegen des beein­träch­tig­ten  Regen­was­ser­ab­flus­ses. Trotz der guten Anbin­dung durch ÖPNV mit  Stadt­bahn­an­schluss und einer beab­sich­tig­ten Sen­kung des Stell­platz­schlüs­sels  pro Wohn­ein­heit sieht auch  BM Walz einen mög­li­chen Ver­kehrs­kol­laps auf die Gun­del­fin­ger zukom­men, zumal gleich­zei­tig auch das Gebiet »Auf der Höhe« bebaut wird und die Wild­tal­span­ge aus Frei­bur­ger Sicht kei­ne Prio­ri­tät hat. So wird jeg­li­cher Ver­kehr über  die Gun­del­fin­ger Zufahrt zur West­rand­stra­ße( Hans-Bun­te-Stra­ße)  zu- und abflie­ßen oder im schlim­me­ren Fall durch unse­ren Ort füh­ren, denn « redu­zier­te Park­plät­ze füh­ren nicht gleich zu einem ver­än­der­ten Ver­kehrs­ver­hal­ten«, so die Ein­schät­zung des Bürgermeisters.

Abhil­fe des Ver­kehrs­staus durch einen wei­te­ren Aus­bau des ÖPNV könn­te die Stra­ßen­bahn­ver­län­ge­rung durch Gun­del­fin­gen zum S‑Bahnhof an der Wald­stra­ße ver­schaf­fen. Egal ob in Etap­pen ( bis zum Son­ne­platz) oder als Ver­knüp­fung der Schie­nen gebun­de­nen Ver­keh­re mit der Elz­tal­bahn: Gemein­de­rä­tin Gise­la Gabri­el sieht auch durch die mög­li­che Bebau­ung von  Näge­le­see Nord den Druck erhöht, die Gun­del­fin­ger ( und Zäh­rin­ger ! ) wei­ter an das Stra­ßen­bahn­netz anzu­bin­den, um auto­mo­bi­len Durch­gangs­ver­kehr zu begren­zen. Die Wen­de­schlei­fe vor den Toren des Ortes ver­ur­sa­che seit 4 Jah­ren ein ver­mehr­tes PKW-Auf­kom­men in der Orts­mit­te und tra­ge dort gera­de nicht zur Ver­kehrs­ent­las­tung bei, so Gemein­de­rä­tin Gabriel.

Anselm Hirt vom Grü­nen Orts­ver­band appel­lier­te an BM Walz, das The­ma der Stra­ßen­bahn­ver­län­ge­rung in Bür­ger­be­tei­li­gungs­for­ma­ten mit den Gun­del­fin­ge­rin­nen und Gun­del­fin­gern zu dis­ku­tie­ren. Dem Grund­satz­be­schluss des Gemein­de­ra­tes von 1991 zur Stra­ba-Ver­län­ge­rung müss­ten jetzt Taten fol­gen; der Bund habe mit dem neu­en  Pro­gramm SPNV ( Schie­nen Per­so­nen Nah Ver­kehr) auch finan­zi­ell Anrei­ze geschaf­fen, in die kom­mu­na­le Schie­ne zu inves­tie­ren. Eine erneu­te Ver­kehrs­zäh­lung im Ort sei seit der letz­ten Zäh­lung 2013 anhän­gig und seit der halb­her­zi­gen Ver­län­ge­rung der Stra­ßen­bahn bis vor die Tore unse­res Ortes drin­gen­der denn je.
Zum The­ma der Busan­die­nung sag­te GR Schöll­horn, in nicht öffent­li­chen Sit­zun­gen mit der VAG sei  eine auch finan­zi­ell trag­fä­hi­ge Lösung erzielt wor­den. Jetzt kommt es dar­auf an, die ver­än­der­ten Fahr­plä­ne mit den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern, vor allem den Nut­zern des Gun­del­fin­ger Bus­an­ge­bo­tes zu dis­ku­tie­ren, bevor Beschlüs­se gefasst würden.
BM Walz kün­dig­te an, dass am 28. Mai Details der Ver­ein­ba­rung mit der VAG öffent­lich gemacht werden.

In sei­nen Aus­füh­run­gen zur Lage der  Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer in Gun­del­fin­gen und Wild­tal  führ­te Vor­stand­mit­glied Anselm Hirt aus, dass es nach Jahr­zehn­te lan­gem Pla­nen für eine Auto gerech­te Kom­mu­ne  nun an der Zeit sei, den »Schwächs­ten der Ver­kehrs­teil­neh­mer « mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men. Wer sich umwelt­be­wusst bewegt, soll­te mehr Bewe­gungs­raum bekom­men und des­sen Sicher­heit muss ange­sichts des zuneh­men­den moto­ri­sier­ten Ver­kehrs wei­ter erhöht wer­den. Gera­de auch in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels sei dies ein Gebot der Stun­de. Am Bei­spiel der Orts­mit­te schlug Hirt  im Namen der Grü­nen kon­kre­te Lösun­gen vor:  Schon die Aus­rich­tung der Sitz­bän­ke der Plät­ze in Orts­mit­te zeig­ten die Prio­ri­tät auf den Ver­kehrs­kno­ten­punkt statt auf die Mit­be­woh­ner; Der Son­ne­platz kann für die Bevöl­ke­rung erwei­tert wer­den, wenn die Autos in der Park­ga­ge abge­stellt wer­den müs­sen; dafür bedür­fe es eines kom­mu­na­len Gemein­de­voll­zugs­diens­tes; Wie auch die  Inklu­si­ons­be­auf­trag­ten Syl­via  Föge­le for­dert Hirt  für Fuß­gän­ger mit Han­di­cap und Rad­fah­rer eine glat­te Fahr­spur auf dem rau­hen Pflas­ter der Orts­mit­te; eine Auf­stell­flä­che vor den Ampeln der Orts­mit­te erhö­he zudem die Sicher­heit für Rad­fah­rer; der Wei­her­weg müs­se Auto frei blei­ben, das gehe nur durch bau­li­che und poli­zei­li­che Maß­nah­men; und schließ­lich soll­ten sich die Ver­kehrs­pla­ner der Gemein­de wie­der ver­stärkt  mit der Umwid­mung von Anlie­ger­stra­ßen in Spiel­stra­ßen beschäf­ti­gen, um den öffent­li­chen Raum für  Anwoh­ner und Kin­der  siche­rer und nutz­ba­rer zu gestalten.
Die Teil­neh­mer des The­men­abend waren sich abschlie­ßend einig, dass die Bewe­gungs­räu­me der Fuß­gän­ger gene­rell ver­grö­ßert wer­den soll­ten, zum Bei­spiel durch die Ver­la­ge­rung des Fahr­rads vom Geh­weg auf die Stra­ße, was bei Tem­po 30 oder 20 gebo­ten sei. Auch  müss­ten etwa der Rad»Schnellweg« von Frei­burg nach Wald­kirch und Emmen­din­gen  mit einem getrenn­ten Geh­weg für Fuß­gän­ger siche­rer und für Rad­fah­rer schnel­ler gemacht wer­den, um sei­nem Namen als Schnell­weg gerecht zu wer­den:  För­der­mit­tel des Lan­des lie­gen dazu abruf­be­reit. Es bedür­fe nun einer Gemein­de, die sich um die Belan­ge der alter­na­ti­ven Ver­keh­re aktiv kümmert.

Nach­trag zum The­ma Sicher­heit durch Tem­po 30/20 :

  1. Die Ein­mün­dung des Rad­we­ges aus Zäh­rin­gen kom­mend in Alte Bun­des­stra­ße Höhe Schön­berg­stra­ße ist unver­mit­telt und sehr gefähr­lich, weil sich Autos und Fahr­rad­fah­rer ein­fä­deln sol­len, was oft nicht geschieht und zu Gefähr­dun­gen füh­ren kann. Eine Mar­kie­rung auf der Stra­ße wie in Zäh­rin­gen vor Hal­te­stel­le Reu­te­bach wäre hilf­reich um Sicher­heit zu erhö­hen und / oder ein Schild: »Rad­fah­rer nut­zen Straße!«
  2. Tem­po 20 wäre immer da gebo­ten, wo Autos, Rad­fah­rer und Fuß­gän­ger die Stra­ße gemein­sam nut­zen aber noch Tem­po 50 gilt, etwa im Herd­weg, teil­wei­se sogar mit eng par­ken­den Autos und Durch­gangs­ver­kehr zur Kom­pos­tier­an­la­ge, Rad­fern­weg und Spazierweg;
    oder bei der Zufahrt zum Ober­mat­ten­bad, weil sich der Rad­weg ( »Schnell­weg«) in die Stra­ße ein­fä­delt und sich unten nach abschüs­si­ger Pis­te Pas­san­ten auf­hal­ten können.
    Tem­po 50 ist defi­ni­tiv zu schnell !! ( sonst bräuch­te der Rad­weg dort eine eige­ne Spur ).
    Wir Grü­ne emp­feh­len mehr Tem­po 20 Zonen !!!

    für die Ver­kehr-Orga-Grup­pe : Anselm Hirt