Bericht zur Themenveranstaltung Leitbild Gundelfingen

Gun­del­fin­ger Grü­ne ver­an­stal­ten The­men­abend / In Sachen Ener­gie und Ver­kehr ist noch eini­ges zu tun.

von Anja Kunz, Badi­sche Zei­tung,  Sa, 10. Novem­ber 2018

GUNDELFINGEN. Was ist aus all den Ideen gewor­den, die 150 Gun­del­fin­ger vor fünf Jah­ren gemein­sam mit dem Gemein­de­rat zu einem Leit­bild für den Ort zusam­men­ge­tra­gen haben? Das haben die Gun­del­fin­ger Grü­nen gefragt und des­halb zu einem The­men­abend ins Kul­tur- und Ver­eins­haus ein­ge­la­den, bei dem zen­tra­le Leit­bild-The­men auf dem Prüf­stand stan­den und gefragt wur­de: Was wur­de bis­lang von all den ambi­tio­nier­ten Vor­schlä­gen umge­setzt, an wel­chen Punk­ten muss nach­ge­bes­sert werden?

Bil­dung, Kul­tur, Soziales
Gun­del­fin­gen hat zwar kei­nen Jugend­ge­mein­de­rat ein­ge­rich­tet, wie 2013 im Leit­bild ange­dacht, dafür aber Außen­mi­nis­ter an allen wei­ter­füh­ren­den Gun­del­fin­ger Schu­len eta­bliert. Die Außen­mi­nis­ter sind Schü­ler, die gemein­sam mit Rats­mit­glie­dern The­men, die Jugend­li­chen in der Gemein­de wich­tig sind, umset­zen. Geplant sind eine Graf­fi­ti­wand in der Bahn­hofs­un­ter­füh­rung, eine Jugend­hüt­te oder die Bekämp­fung ver­müll­ter Ecken im Ort. Gemein­de­rä­tin Evi Ton­dré berich­te­te außer­dem über den Erfolg der Gemein­schafts­schu­le, die in die­sem Schul­jahr wegen eines Anmel­desturms sogar zehn Schü­ler abwei­sen muss­te. Ergeb­nis des Leit­bild­pro­zes­ses war die Grün­dung des Bür­ger­treffs, unter des­sen Dach sich mitt­ler­wei­le 20 Grup­pen zusam­men­ge­schlos­sen haben.

Neue Wohn­for­men
Auf dem rund 2000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück auf dem Are­al Alte Bun­des­stra­ße 10 soll ein Wohn­pro­jekt ent­ste­hen. Drei Wohn­blö­cke könn­ten hier gebaut wer­den, die Platz bie­ten für Fami­li­en, Senio­ren, Demenz­kran­ke, jün­ge­re Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Stu­den­ten, die ihre Hil­fe gegen ver­güns­tig­ten Wohn­raum tauschen.

Gemein­de­rä­tin Bea­te Fischer-Wackes stell­te die Pla­nung vor, die 2017 bereits einen Lan­des­för­der­preis erhal­ten hat. Drei Inves­to­ren sind invol­viert. Eine Jury ent­schei­det noch in die­sem Jahr, wel­che der Bau­ge­nos­sen­schaf­ten, die alle inhalt­lich mit dem The­ma Mehr­ge­nera­tio­nen­woh­nen ver­traut sind, den Zuschlag erhält. Im Leit­bild waren vor fünf Jah­ren »viel­fäl­ti­ge For­men gemein­schaft­li­chen Woh­nens« gewünscht wor­den – auch wenn das Pro­jekt noch nicht rea­li­siert ist, die Pla­nun­gen schei­nen kurz vor dem Abschluss.

Orts­ent­wick­lung

Den Bran­chen­mix in der Orts­mit­te stär­ken – die­ses 2013 for­mu­lier­te Ziel ist nicht leicht umzu­set­zen. »Das Pro­blem, das wir in Gun­del­fin­gen genau wie anders­wo spü­ren: Der Online-Han­del zieht die Kun­den ab«, sag­te Gemein­de­rat Peter Schöll­horn. So sei die Visi­on wei­ter­hin, eine Durch­mi­schung von Läden im Orts­kern anzu­sie­deln, um eine beson­de­re Auf­ent­halts­qua­li­tät zu schaf­fen. Auch beim The­ma Wohn­raum sei nach wie vor Hand­lungs­be­darf. Immer noch gebe es in Gun­del­fin­gen zu wenig bezahl­ba­re Woh­nun­gen für jun­ge Familien.

Ener­gie
»Hier war das Leit­bild äußerst ambi­tio­niert«, sag­te Gemein­de­rä­tin Sil­ke Eis­feld. Denn bis 2030 – so wur­de vor fünf Jah­ren fest­ge­hal­ten – wol­le Gun­del­fin­gen 50 Pro­zent des gesam­ten Ener­gie­ver­brauchs von 2010 ein­spa­ren. Auch sol­le der Ver­brauch aus­schließ­lich durch erneu­er­ba­re Ener­gien gedeckt wer­den. Davon sei man noch weit ent­fernt, so Eis­feld. Doch ein Anfang sei gemacht. Durch die Ener­gie­ka­ra­wa­ne beka­men immer­hin 270 Haus­hal­te eine Bera­tung. Ziel­füh­ren­der sei jedoch eine kos­ten­freie Ener­gie­be­ra­tung für alle Gun­del­fin­ger. Ein enor­mes Poten­ti­al gebe es für Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen auf Haus­dä­chern. »Die 1000-Dächer-Kam­pa­gne hal­te ich für sehr ehr­gei­zig. 500 wür­den ja schon rei­chen«, so Eis­feld. Auch hier brau­che es Infor­ma­tio­nen für die Bür­ger. Wün­schens­wert wäre ein Kli­ma­schutz­kon­zept, um kon­kre­te Zie­le zu for­mu­lie­ren und umzusetzen.

Ver­kehr
Fuß­gän­ger­über­we­ge am Son­ne­platz, eine ver­kehrs­be­ru­hig­te Orts­mit­te, die Stra­ßen­bahn­ver­län­ge­rung bis nach Gun­del­fin­gen hin­ein – es gibt vie­le grü­ne Ideen für ein ver­bes­ser­tes Ver­kehrs­kon­zept. Vie­les konn­te aller­dings im Gemein­de­rat nicht durch­ge­setzt wer­den. So wird es kei­nen Gemein­de­voll­zugs­dienst geben und kei­ne Tem­po-30-Zone in der Unte­ren Wald­stra­ße. Vor fünf Jah­ren noch war im Leit­bild Tem­po 30 als Regel­ge­schwin­dig­keit im gesam­ten Gemein­de­ge­biet fest­ge­hal­ten worden.

Das Fazit des Abends: Die Gemein­de ist auf einem guten Weg, aber vor allem bei den The­men Ener­gie und Ver­kehr bleibt eini­ges zu tun. Anselm Hirt, Vor­sit­zen­der des Orts­ver­ban­des der Grü­nen, wünsch­te, dass das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment sich zah­len­mä­ßig wie­der an die 150 Men­schen annä­hert, die vor fünf Jah­ren das Leit­bild mit erar­bei­tet hatten.

Quel­le: http://www.badische-zeitung.de/gundelfingen/zentrale-leitbild-ideen-stehen-auf-dem-pruefstand–159198805.html