Am 22. Januar 2026 fand der Themenabend »Europa, der Klimaschutz und der Strukturwandel« statt, zu dem der grüne Ortsverband Gundelfingen eingeladen hatte. Gast des Abends war die Bundestagsabgeordnete Chantal Kopf, europapolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Anhand einiger Beispiele wurde schnell deutlich, dass das Zusammenspiel zwischen Europäischer Union, Bundesebene und Landesebene aus dem Lot geraten ist – ein in einer »verrückt gewordenen Welt« umso problematischerer Befund. Der Green Deal, der bisher Rückenwind für die Verbindung von Klimaschutz und Wirtschaft gegeben hat, steht mit dem nach rechts gerückten Europaparlament unter Beschuss. Exemplarisch dafür sind Entscheidungen wie die Abschwächung des Lieferkettengesetzes oder die den Markt verunsichernde Debatte um die Flexibilisierung der Klimaziele im Automobilbereich. Bisher habe sich das Europaparlament durch Kompromissfindungen in der demokratischen Mitte ausgezeichnet. Es sei wichtig, wieder zu diesem Modus zurückzufinden.
Chantal Kopf ging darauf ein, dass die grüne Bundestagsfraktion auch nach der unvollendeten Regierungsbeteiligung weiter daran arbeitet, Wege zur Umsetzung der klar definierten Klimaziele aufzuzeigen. Dabei betonte sie, dass dies weder zu sozialen Unwuchten führen soll – deswegen setzt sich die Bundestagsfraktion beispielsweise für »social leasing« von E‑Autos statt für die jetzt im Raum stehende Prämie ein – noch zu wirtschaftlichen Unwuchten führen soll. Am Beispiel Baden-Württembergs zeigte sie, wie wichtig die Investition in Forschung und Entwicklung in Zukunftsbranchen von der Gesundheitswirtschaft bis zu Quantencomputing und KI ist, um den wirtschaftlichen Strukturwandel zu gestalten. Ebenso betonte sie die Bedeutung von Weiterbildung und Qualfizierungsangeboten.
Einen großen Raum in der Diskussion nahm das Thema »Mercosur« ein, also das Handelsabkommen der EU mit Lateinamerika. In der jetzigen Weltlage sei es ein Fehler, das Mercosur-Abkommen zu verzögern. Chantal Kopf zeigte sich überzeugt, dass auch die grüne Europafraktion ein Interesse daran habe, das Abkommen schnell vorläufig in Kraft treten zu lassen und nach der nun beschlossenen rechtlichen Überprüfung dann auch der Ratifizierung zuzustimmen. Sie berichtete, dass sie selbst vor einigen Jahren Mercosur noch eher kritisch gegenüber gestanden sei, das Abkommen in seiner heutigen Form jedoch für zustimmungsfähig halte. So sei ein Bekenntnis zu den Klimazielen von Paris Teil der Beitrittsvoraussetzungen. Gerade in der neuen hegemonialen Weltordnung sei die vielfältige wirtschaftliche Zusammenarbeit der EU mit anderen Staaten besonders wichtig.
Den Themenabend rundete ein kurzer Impuls von Hannes Wagner ab, der als Ersatzkandidat Grüße der Landtagsabgeordneten Daniela Evers mitbrachte und am Beispiel Wohnen deutlich machte, wie Landes- und Kommunalpolitik ineinandergreifen.
Der Abend stellte zugleich den Auftakt für den grünen Wahlkampf in Gundelfingen dar, zu dem regelmäßige Infostände und Verteilaktionen bis zur Wahl am 8. März 2026 gehören werden.