Neue Wohnformen, was kann das bringen?

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Wir wohnen alle gern in Gundelfingen! Wir besitzen ein Haus, eine Eigentumswohnung oder wohnen zur Miete. Schwierig wird es erst, wenn man sich verändern möchte, weil die Familie wächst, oder weil die Kinder ausgezogen, und Haus und Garten zu groß geworden sind. Wie aber eine neue Wohnung finden, wenn nicht gebaut wird?

Die Gemeinden sind Mitglieder im Regionalverband Südlicher Oberrhein. Dessen Verbandsversammlung legt in Abstimmung mit den Fachbehörden fest, wo die einzelnen Gemeinden Entwicklungsmöglichkeiten haben und welche Bereiche unbebaut bleiben für Landwirtschaft, Natur- und Artenschutz, Erholung und Kleinklima.

Diese Vorgaben werden im Flächennutzungsplan berücksichtigt und später im Bebauungsplan. Gundelfingen hat derzeit nur noch zwei mögliche Flächen für Baugebiete: Nägelesee Nord und Griesäcker, beide am nördlichen Ortsrand. Deshalb ist es so wichtig, sorgsam mit der Bebauung dieser Flächen umzugehen.

Und wegen der gegrenzten Flächen dafür zu sorgen, dass dort neben den Frei- und Grünflächen im Gebiet möglichst viele Wohnungen entstehen. Anders als noch vor 25 Jahren in Nägelesee Süd müssen wir etwas mehr in die Höhe bauen.  Somit wird es weniger Doppel- und Reihenhäuser geben, dafür mehr Etagenwohnungen. Die bessere Ausnutzung der Grundstücke sollte den Wohnraum bezahlbarer machen.

Das tut es aber nicht automatisch. Denn ein Bauträger verkauft die begehrten, weil knappen Wohnungen mit Gewinn. Er lässt sich sein Risiko bezahlen. Dafür nimmt der den Interessenten den auftreibenden Prozess der Planung, Genehmigung und des Bauens ab. Und so ein Rundum- Sorglos-Paket hat eben seinen Preis.

Die Gemeinde Gundelfingen beabsichtigt erstmals, die sog. Konzeptvergabe anzuwenden. Das bedeutet, dass nicht derjenige (Bauträger) den Zuschlag für ein Grundstück bekommt, der bereit ist, den höchsten Preis zu zahlen, sondern die Bewerbergruppierung, deren Konzept einen günstigen Mietpreis garantieren kann. Oder eine besonders umweltverträgliche Bauweise, idealerweise sogar beides. Das kann eine Baugruppe aus mehreren Familien sein, eine Genossenschaft oder das Mietshäusersyndikat. 

Für das „Mehrgenerationen-Wohnen am Schobbach“ führte die Gemeinde auf Grundlage des im Leitbildprozess entwickelten und vom Land ausgezeichneten Konzeptes ein Bewerberverfahren durch. Drei Bewerber, darunter zwei regionale Genossenschaften legten qualifizierte Architekturen vor, und wiesen nach, wie sie die im Konzept erarbeiteten Anforderungen unterbringen und im laufenden Betrieb gewährleisten können.

Hierzu gehören die Schaffung von relativ kompakten Wohnungen mit einer günstigen Miete für Familien, Paare und Einzelpersonen, die Pflegewohngruppe mit eigenem Garten, und 1-2 Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap. Es wird einen Gemeinschaftsraum für Treffen und Veranstaltungen geben.

Begleitet von einem Quartiersmanager sollen die Bewohner und Bürger aus dem Umfeld dafür sorgen, dass ein lebendiges Quartier entsteht.

Die Erfüllung aller wichtigen Inhalte des Konzeptes wird vertraglich zwischen der Gemeinde, die das Grundstück verkauft und dem Bauverein Breisgau als Bauherrn und späteren Betreiber geregelt. So ist es gelungen, aus einem kompakten Grundstück, das Beste für die künftigen Bewohner herauszuholen. Derzeit wird der Bebauungsplan aufgestellt und das Baugesuch vorbereitet. Die Wohnungen können dann in 2-3 Jahren bezogen werden.

Ein anders Beispiel dafür, dass die Gemeinde bereit ist, neue Wege zu gehen, ist der Bebauungsplan „Am Waldfriedhof“. Für das dreieckige Grundstück zwischen der Waldstraße und dem Steinbildhauer Jakob stellten mehrere Genossenschaften ihre Konzepte vor. Die kalkulierten Mietpreise waren jedoch zu hoch und die Mietbindung, während der diese Preise festgeschrieben sind, waren mit ca. 15 Jahren zu kurz. Denn es besteht die Gefahr, dass die Wohnungen nach dieser Frist in teure Eigentumswohnungen umgewandelt werden.

Die Gruppierung, die den Zuschlag bekam, nennt sich „Allmende“ und besteht aus Familien und Einzelpersonen unterschiedlichen Alters. Sie hat zusammen mit dem Mietshäusersyndikat nach einem Grundstück in der Region gesucht. Im Vordergrund steht die Schaffung von dauerhaftem bezahlbaren Mietwohnraum in Gundelfingen.

Das Mietshäusersyndikat hat in über zwei Jahrzehnten ein Modell entwickelt, das es mit wenig Eigenkapital und den Darlehen von Privatpersonen und Banken ermöglicht, deutlich günstiger zu bauen und langfristig günstig zu mieten. Die entscheidenden Punkte hierfür sind einerseits, dass anders als beim Bauträger, kein Gewinn erzielt werden muss und dass die Tilgung der Darlehen nicht wie üblich innerhalb von ca. 25 Jahren, sondern erst nach ca. 50 Jahren erfolgt sein wird.

Das Projekt sieht den Bau von 22 Mietwohnungen unterschiedlicher Größe vor, Gemeinschaftsräume, Werkstatt, einen Saal für Veranstaltungen, den wir Gundelfinger z.B. für Veranstaltungen, Seminare, private Feiern mieten können. Besonderen Wert legt die Allmende auf nachhaltige Bauweise mit Fotovoltaik, Dachbegrünung, Regenwassernutzung und einem Mobilitätskonzept mit Carsharing und Lasten-E-Bikes. Durch die gemeinsame Nutzung einiger Räume können die privaten Wohnungen kleiner und somit günstiger sein.

Die Mitglieder der Allmende werben bereits vor Baubeginn um eine positive Haltung der Nachbarschaft zum Projekt, bieten Darlehensgebern einen attraktiven Zins und geben ein Beispiel für eine kompaktere und somit flächenschonenden Bauweise mit weniger Autos. Dies leistet einen kleinen Beitrag, das Verkehrsaufkommen in der Ortsmitte zu bremsen.  

Mit diesen beiden Beispielen betritt unsere Gemeinde einen interessanten neuen Weg. Wir denken, dass er Vorteile bringt für bezahlbares Wohnen trotz knapper Bauflächen.

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: Dr. B. Fischer-Wackes, Wolfgang Losert, Vorstandmitglied im Bürgertreff Gundelfingen

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